Von 1993 bis 2002 befanden sich die Büros des Kommandierenden Generals des Eurokorps, der nationalen stellvertretenden Kommandeure, der Rechtsberater (1993-2004), des Verbindungskommandos Luftstreitkräfte (AREC)(1993-2007), des Verbindungskommandos Seestreitkräfte (NAVREP)(1993-2007), des Wetterdienstes (1993-2001) und der Presseabteilung (PIO)(1993-2004) in der Sturm Kaserne.
Die Sturm Kaserne wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts für die deutschen Offiziere des sächsischen Infanteriebataillons 105 gebaut. 1919, nach Abschluß des Versailler Vertrages, wurde die Kaserne an die französischen Militärbehörden übergeben und beherbergte den Verteidigungsrat des Standortes Straßburg. Im Anschluß wurde die Kaserne von verschieden Stäben und Behörden genutzt:
Vor 1939 vom Stab der 43. Infanteriedivision (43ème Division d’Infanterie);
1945 vom Stab der Halbdivision des Niederrheins (Subdivision du Bas-Rhin);
1950 vom Vorkommando des GeoInfo Zentrums, vom Zentralbüro des Militärischen Nachrichtendienstes in Straßburg, vom Dokumentationszentrum der französischen Marine (bis 1951) und von der Evangelischen Militärseelsorge;
1954 verließen die Sozialversicherung und die Zusatzkasse für Zivilpersonal des militärischen Verwaltungsapparates der Halbdivision Straßburgs (Sécurité Sociale et de la Mutuelle du Personnel Civil de l’Administration Militaire de la Subdivision de Strasbourg) die Kaserne;
1962 wurden die Räume hergerichtet für den Stab einer Brigade der 7. Division, einer leichten Panzerdivision (7ème Division Légère Blindée);
1963 wurde eines der Gebäude dem Stab der 6. Mechanisierten Brigade (6ème Brigade Mécanisée) zugewiesen und die Evangelische Militärseelsorge verließ die Kaserne;
1969 ließ sich der Stab der 62. Division – Rheinübergangszone (62ème Division Militaire - Zone de franchissement du Rhin) in der Kaserne nieder;
1977 kam der Stab der 6. Panzerdivision (6ème Division Blindée) hinzu und die beiden Stäbe wurden zusammengelegt zur 6. Panzer- und 62. Territorialdivision;
1984 wurde die 6. Panzerdivision außer Dienst gestellt; übrig blieb die 62. Territorial- und Rheindivision (62ème Division Militaire Territoriale et Division du Rhin). Da Räume zur Verfügung standen wurden diese von der Standortverwaltung Straßburg übernommen.
1992 schließlich verließen die 62. Territorial-/Rheindivision (62ème DMT/Division du Rhin) und die Standortverwaltung die Kaserne, um die Einrichtung der ersten Teile des Aufstellungsstabes Eurokorps zu ermöglichen.
Im Juni 2001 zog der Wetterdienst von der Sturm und in die Aubert-de-Vincelles-Kaserne. Zu Beginn des Jahres 2002 verließ die Generalität die Sturm Kaserne und zog ebenfalls in die Aubert-de-Vincelles-Kaserne. Im Juni 2004 folgten die Presseabteilung und die Rechtsberater.
Am 05. September 2007 verließen die Luftwaffe - und Marinevertretung die Sturm Kaserne. Am 30. Oktober 2007 nach 15 Jahren wurde die Kaserne Sturm durch HQ Eurokorps den französischen Militärbehörden wieder übergeben.
Wer war Sturm?
Sein voller Name war Jacobus Sturm von Sturmeck und er wurde 1489 in Straßburg geboren. Er gehörte einer alten Patrizierfamilie Straßburgs an, war hochintelligent und ein Schüler von Jacques Wimpheling (1450 – 1528), der seinerseits Professor und ein bedeutender Humanist der ersten Generation war.
Bereits 1524 war Sturm von Sturmeck Mitglied des Stadtrates, verschiedener Ausschüsse und Gremienmitglied verschiedener weiterführender schulischer Einrichtungen. Er spielte eine führende Rolle in der Lenkung kommunaler Angelegenheiten, war ein ausgezeichneter Staatsmann und Diplomat und hatte großes Organisationstalent, insbesondere im schulischen Bereich.
Er war mehrfach Stettmeister (für die Dauer eines Jahres gewählter Bürgermeister) und jahrzehntelang Vertreter Straßburgs bei allen politischen und religiösen Tagungen. Er war ein talentierter Redner, ein gemäßigter und kluger Politiker, ein Idealist und Visionär und ein Mann von großer moralischer Autorität.
Als ein seine Zeit prägender Politiker war er immer erfolgreich, wenn es darum ging die Interessen Straßburgs zu verteidigen, das zu diesem Zeitpunkt den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte.
Sein Verdienst war auch die Schaffung einer Lehreinrichtung von Universitätsniveau, die sich sein Lehrer Wimpheling wünschte. Diese wurde 1537 eingeweiht und wurde später die Universität Straßburg.
Jacques Sturm prägte auch in religiösen Dingen seine Zeit, denn er nahm die Reformideen Martin Luthers auf und führte diese Bewegung in seiner Geburtsstadt zum Triumph.
1553 starb dieser große Bürger Straßburgs in seiner Geburtsstadt, der er sein Leben lang treu gedient hatte.
Sein Portrait ist im protestantischen Konsistorium zu sehen.
Verfasser: Stabsfeldwebel (FRA) TOMCZYK Eddy


