Die Kaserne wurde von den Deutschen 1912 gebaut, am Standort eines Artillerie-Schießplatzes, der mit Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 zu einem Militärflugplatz umgewandelt wurde.
Als die Kaserne an die französischen Streitkräfte ging, wurde sie Guynemer Kaserne genannt (zu Ehren eines legendären Piloten der französischen Luftwaffen, der 1917 über Belgien abgeschossen wurde) und vom „2ème Régiment d’Aviation de Chasse“, einem Jagdfliegerregiment übernommen. Die Piloten der Staffeln des ersten Geschwaders waren in Gebäude A untergebracht (diese Bezeichung wurde bis in die 80er Jahre beibehalten, dann wurde das Gebäude in 022 umbenannt), das Gros der Regimentskräfte befand sich in der Lizé-Kaserne. Aus diesem Grund war bis 1940 die Luftwaffe in diesen Einrichtungen. Im selben Jahr wurde der Standort wieder deutsch und Stuka (Sturzkampfflugzeug) Staffeln landeten auf dem ehemaligen Schießplatz, französisch „Polygone“ genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1948 bis 1949, war die Kaserne Sammellager der Fremdenlegion.
Insbesondere während des Indochina- und des Algerienkrieges wurden die Verwundeten bzw. in der Rekonvaleszenz befindlichen Fremdenlegionäre durch dieses Zentrum geschleust. Die Fremdenlegionäre nutzten den nahegelegenen ehemaligen Schießplatz für die Infanterieausbildung und für Fallschirmsprünge.
Am 5. Januar 1953 erhielt die Liegenschaft ihren aktuellen Namen.
Von 1969 bis September 1990 lag die Stabsstaffel 40 der 1. Armee (40ème Escadron de Quartier Général de la 1ère Armée), in dieser Liegenschaft. Dann wurde sie aufgelöst.
Schließlich übernahm das Pionierregiment 1 aus Illkirch (1er Régiment du génie d’Illkirch) die Bewachung der Kaserne, bis 1993 der Stab Eurokorps die Liegenschaft übernahm.
Das HQ Eurokorps renovierte das Hauptgebäude und errichtete 8 Bürogebäude, ein Konferenzzentrum, ein Vervielfältigungszentrum sowie ein Kasino-Gebäude. Eine zusätzliche Straße wurde gebaut und der Zugang zur Kaserne befindet sich seither an der Südseite.
Seit ihrer Aufstellung im Jahr 2001 befindet sich auch die multinationale Führungsunterstützungsbrigade in der AdV Kaserne. Im Jahr 2002 bezogen die Generale ihre Büros im Hauptgebäude. Im Juni 2004 zogen die Presseabteilung und die Rechtsberater in eine neues Bürogebäude ein. Im Jahr 2007 zogen das Verbindungskommando Luftstreitkräfte und das Verbindungskommando Seestreitkräfte in eine neues Bürogebäude ein.
Doch wer war eigentlich Aubert de Vincelles?
Major François Hubert Raoul Aubert de Vincelles (FRA) kam am 05. Juli 1906 in Lanarvily im Kanton Plabennec (Finistère) zur Welt. Er starb für Frankreich am 16. November 1951 in Tonkin (ehemals Indochina) und wurde auf dem Friedhof Hanoi beigesetzt. Er war verheiratet und Vater von drei Kindern.
François Aubert de Vincelles kam am 28. September 1928 für 8 Jahre zu den Streitkräften und besuchte die französische Heeresoffizierschule, die „École Spéciale Militaire de Saint-Cyr“. Am 1. Oktober 1930 wurde er zum Leutnant befördert und wählte das Infanterieregiment 117 (117ème Régiment d’Infanterie) für seine erste Verwendung. Am 1. Oktober 1932 wurde er zum Oberleutnant befördert und im Jahr 1933 meldete er sich freiwillig zum Dienst in Marokko. Dort machte er sich einen Namen und erhielt eine förmliche Anerkennung von der Division. Noch in Marokko wurde er als Chef einer Kompanie des „2ème Régiment de Tirailleurs Marocains“, eines Panzergrenadierregiments, am 1. September 1939 zum Hauptmann befördert. Nachdem er seine Prüfungen in Englisch und Arabisch abgelegt hatte, erweiterte er seine sprachlichen Fähigkeiten um Indochinesisch. Seine Beurteilungen waren voll des Lobes. Man nahm ihn als einen exzellenten Offizier, eine dynamische, starke und ehrliche Person, als einen sehr guter Lehrer und Verwalter wahr. Im Felde zeichneten ihn Schnelligkeit, Einfachheit und Klarheit aus. Befehle führte er ruhig und selbstsicher aus. All diese Fähigkeiten kamen ihm im späteren Verlauf seines Werdeganges im Gefecht zugute. Doch 1940 wurde Hauptmann Aubert de Vincelles von den Deutschen gefangen genommen. Er verbrachte 5 Jahre in Gefangenschaft.
1945 wurde er freigelassen und brach erneut auf. Zunächst hatte er eine Verwendung in Algerien und direkt im Anschluss eine Verwendung in Indochina. Am 25. Dezember 1946 wurde er zum Major befördert. Zu diesem Zeitpunkt diente er im Infanterieregiment 2 der Fremdenlegion (2ème Régiment Étranger d'Infanterie). Am 16. April 1947 zeichnete er sich im Kampf erneut aus und fand besondere Erwähnung im Bericht der Brigade für seinen Mut und seinen selbstlosen Einsatz im Gefecht. Ein paar Monate später wurde er zum Stab des Oberbefehlshabers in Saigon versetzt. Zurück in Frankreich am 07. Oktober 1948, wurde ihm das Kommando über das Sammel- und Durchgangslager der Fremdenlegion in der Guynemer-Kaserne übertragen. Er gab das Kommando am 02. November 1949 wieder ab und übernahm das Kommando über das Depot der Fremdenlegion in Marseille.
Am 31. März 1951 bestieg er zum letzten Mal ein Flugzeug mit Ziel Indochina.
Nach Entscheidung Nr. 8 des stellvertretenden Ratsvorsitzenden, Minister der Nationalen Verteidigung, vom 22. Februar 1952, erhielt Major Aubert de Vincelles postum eine folgendermaßend lautende förmliche Anerkennung:
Als hervorragender Offizier verkörperte er - in allen Situationen - die besten militärischen Tugenden. Seit 01. Juni 1951 das 2. Bataillon des Infanterieregimentes 3 der Fremdenlegion (3ème Régiment Étranger d’Infanterie) befehligend, stellte er seine ausgezeichneten Führungsqualitäten an der Spitze des Verbandes unter Beweis. Von seinem Stab und seinen Männern aufrichtig bewundert holte er immer das Beste aus ihnen heraus.
Am 16. November 1951 starb er in einem heftigen Gefecht in der Region Cho-Ben (in Nordvietnam) an der Spitze seiner Männer einen ruhmreichen Tod, wobei er ihnen bis zu seinem letzten Atemzug ein bewundernswertes Beispiel des Mutes und des selbstlosen Einsatzes gab.
Major Aubert de Vincelles ist Ritter der Ehrenlegion (Chevalier de l’Ordre de la Légion d’Honneur) mit zwei förmlichen Anerkennungen und Offizier im „Ordre du Dragon de l’Annam“.
Verfasser: Stabsfeldwebel (FRA) TOMCZYK Eddy


